#Polerina

by Rena Süßholz

Pole-Community: MEN Edition mit Nico
© Nico Loleit

Pole-Community: MEN Edition mit Nico

„Als Mann muss man nicht unbedingt wie eine Ballerina um die Pole wirbeln.“ Poledancer Nico erzählt in meinem Interview, wie er zu seiner neuen Sportart gekommen ist und welche Herausforderungen es zu meistern gilt. Außerdem gibt er Tipps für das Probe- und Heimtraining.

Poledance-Interview mit Nico Loleit

Früher – vor hunderten von Jahren – benutzten chinesische Akrobaten eine vertikale Stange für ihre Darbietungen. Diese „Sportart“ war lange Zeit ausschließlich Männern vorbehalten. Wenn wir jetzt einen Blick in die Polestudios werfen, könnte man meinen, dass sich das Blatt gewendet hat und Männer diejenigen sind, die aus dem Pole-Universum ausgeschlossen werden. Dass das nicht der Fall ist, beweisen Poledancer wie Nico (37) aus Braunschweig.

Du hast Ende 2015 beschlossen dem ganzen mal eine Chance zu geben. Warum?

Nico: Als ehemaliger Fußballspieler suchte ich ein neues sportliches zu Hause. Von der Idee es mit dem Polesport zu probieren, war ich zunächst nicht gerade begeistert. Doch meine Frau trainiert selbst Poledance und hat es irgendwann geschafft mich zu einem Training zu überreden – und ich war direkt infiziert und wollte mehr! Die akrobatische Leistung der Athleten hat mich fasziniert und ich hatte wieder neue Ziele vor Augen.

Poleman mit elbow grip
© Nico Loleit

Ich schätze mal, dass mit den Zielen dann auch einiges an Vorurteilen aufkam?

Nico: Au ja, sehr. Da ich so ziemlich der erste Mann im großen Umkreis war, der mit Poledance angefangen hat, hatte ich es ca. ein halbes Jahr lang, nicht gerade leicht. Mit blöden Sprüchen musste ich leider in der Zeit immer wieder rechnen. Das ganze ging solange, bis ich die ersten Bilder online stellte und gezeigt habe, dass man als Mann nicht unbedingt wie eine Ballerina um die Pole wirbeln muss, sondern das ganze auch sehr akrobatisch gestalten kann.

Heißt du bist auch eher turnerisch unterwegs?

Nico: Genau, das Tanzen ist nicht so meins.

Weshalb lohnt es sich Poledance zu betreiben?

Nico: Poledance bedeutet für mich Leidenschaft, Kraft und Ästhetik. Es hält fit, man bleibt flexibel und kräftig von Kopf bis Fuß.

Apropos Kraft … Wie schnell beherrschst du einen Trick wie zum Beispiel den Shouldermount oder das Iron-X?

Poleman im Iron X
© Nico Loleit

Nico: Das geht relativ schnell bei mir, den Shouldermount beherrschte ich bereits in der zweiten Trainingsstunde. Für das Iron-X habe ich ca. ein halbes Jahr gebraucht bis ich es auch ein paar Sekunden halten konnte.

Darf ich kurz sagen, wie neidisch ich jetzt bin? 😀 Mein Shouldermount hat mehrere Monate gedauert. Gehst du denn noch zusätzlich ins Fitnessstudio?

Nico: Da ich beim Poletraining in 1,5 Stunden mehr Muskelgruppen trainiere als vier Stunden in einem Fitnessstudio brauche ich das zum Glück nicht. Allerdings muss man sich auch zwingen die schlechte Seite zu trainieren. Macht man es nicht, bräuchte man einen Ausgleich.

Sprechen wir über das Training an sich. Im Fokus steht natürlich die Pole. Hast du da eine Lieblingsstange, die du männlichen Poletänzern weiterempfehlen kannst?

Nico: Es kommt darauf an was man will. Möchte man an Wettkämpfen teilnehmen, wäre es besser sich gleich an einen 45er Durchmesser zu gewöhnen, da es typische Wettkampfstangen sind. Ich habe für das Heimtraining die verchromte X-Pole mit dem 45mm Durchmesser und eine 5m Edelstahlstange im Garten. Beide Oberflächen bieten genug Halt und Haftung. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man es aber am besten für sich selbst testen.

Poleman Outdoor Poledance
© Nico Loleit

Das ist sinnvoll. Als Beginner hatte ich mich für eine 50er Poledance Stange für zu Hause entschieden. Das hat solange Spaß gemacht, bis es dann an die fortgeschrittenen Figuren ging, welche im Polestudio – beim Training an einer wesentlich dünneren Stange – deutlich einfacher waren. Gibt es etwas, dass du auch gerne früher gewusst hättest?

Nico: Ja, Frauen haben nicht immer auf dem Schirm, das es beim Mann in gewissen Figuren, aufgrund der Anatomie des Mannes, manchmal sehr schmerzhaft werden kann. Da gibt es so Figuren, wie den Superman oder Knee Release, wo es schon brenzlich werden kann.

In der Tat. Kannst du deine Erfahrungen mittlerweile schon weitergeben? Sprich, gibt es noch andere Männer bei dir im Kurs?

Nico: Mittlerweile trainieren drei Männer mit. Zwei davon zwar noch in anderen Klassen, aber lange dauert es nicht mehr und dann sind wir zu viert im Kurs.

Cool! Kannst du dich noch an deine erste Polestunde erinnern – so als Hahn im Korb? Wie war das für dich?

Nico: Ganz ehrlich, echt verdammt ungewohnt mit so vielen Frauen in einem Raum. Zum Glück war meine Frau dabei. Aber ich wurde wirklich sehr herzlich aufgenommen bei uns im Studio und alle haben sich gefreut, dass ein Mann sich traut den Sport auszuüben. Die Herausforderung war, sich einfach nicht zu blamieren in der ersten Stunde.

Poleman Shouldermount
© Nico Loleit

Ich glaube diese Sorge teilen auch viele Frauen 🙂 Hast du Tipps für Männer, die ein Pole-Probetraining vor sich haben und nicht wissen, wie sie sich am besten verhalten sollen?

Nico: Als Mann sollte man schon den Eindruck vermitteln, den Sport ausüben zu wollen und das man nicht aus anderen Gründen am Probetraining teilnimmt. Ansonsten wirklich trauen und ausprobieren wie einem der Sport liegt.

In diesem Sinne, hoffe ich, dass dein Einblick, viele mutige Sportler & Tänzer inspiriert hat!

 

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Kennst du schon meinen neuen Liebesthriller?

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