#Polerina

by Rena Süßholz

Pole-Community: Female Empowerment (Teil 2)
© Roxanne Schulz

Pole-Community: Female Empowerment (Teil 2)

Stark, machtvoll und selbstbewusst” – Polerina Roxanne spricht mit mir über Female Empowerment, was es für einen selbst als Poletänzerin bedeuten kann und wie sie, als Feministin zum Striptease steht.

Poledance-Interview mit Roxanne Schulz:

Roxanne ist Mitte zwanzig und war schon als Kind eine kleine Rebellin, die Ungerechtigkeit nicht ausstehen konnte.

Gab es denn ein ausschlaggebendes Ereignis, das dich dazu brachte, dich mit dem Thema Feminismus auseinander zu setzen?

Roxanne: Feminismus hat seit den 2010ern einen größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen, weil es so viele mutige Frauen* gibt, die auf die Missstände aufmerksam machen. Es gab kein bestimmtes Ereignis, es ist eher eine Entwicklung, die wir durchmachen. Man kann die Augen nicht davor verschließen, dass viele Gruppen, wie auch Frauen*, systematisch diskriminiert werden.

Was versteht man unter Female Empowerment im Allgemeinen und was kann es für einen selbst als Polerina bedeuten?

Roxanne: (Female) Empowerment umfasst all die Dinge, die wir tun können, um uns stark, machtvoll und selbstbewusst fühlen zu lassen. Dies folgt keinem vorgeschriebenen Muster und ist vollkommen subjektiv. Da wir als Frauen* dazu erzogen werden sich klein zu halten, höflich zu sein und passiv zu bleiben, ist Poledance ein Weg sich seinen eigenen Machtanspruch wieder geltend zu machen.

Die Schattenseiten: Selbstverwirklichung durch Tanz – was verkraftet die heutige Gesellschaft?

Roxanne: Leider unterliegt Poledance einem großen Stigma, welches so ignorant wie es auch misogyn [red. Anmerkung: frauenfeindlich] ist. Auch heute noch im Jahre 2019 gibt es Menschen, die das Ausüben von Poledance als verwerflich sehen, da sie es mit der Sexindustrie in Verbindung bringen. Nicht selten finden sich Polerinas in ständiger Rechtfertigung gefangen, um die Berechtigung ihres Sports zu erlangen. Meine Frage dabei ist jedoch: ist das wirklich »Verwerfliche« nicht etwa eine Gesellschaft, die Frauen, weibliche Sexualität und Sexarbeiterinnen abwertet und als schmutzig wahrnimmt? Ganz eindeutig!

„Striptease ist nicht schlimm.“ – Was denkst du muss geschehen, dass dieser Satz unter Polerinas oder gar in der Gesellschaft akzeptiert wird?

Roxanne: Es wäre noch schöner zu hören: »Striptease ist eine Form des Tanzes und Stripperinnen sind sehr talentierte Entertainer!« Um das zu erreichen, müssen Menschen Machtstrukturen und ihre vorgelebten Denkweisen hinterfragen, damit wir auf der einen Seite den Begriff der weiblichen Sexualität neu definieren und auf der anderen Seite Frauen für ihre persönlichen Entscheidungen respektieren, statt sie zu verurteilen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies jemals passieren wird?

Roxanne: Ich denke, dass wir zurzeit eine gute Entwicklung durchleben. Ab und zu gibt es Rückschläge, wie zum Beispiel kürzlich das (Shadow-)Banning Poledance bezogener Inhalte auf Instagram (Vielleicht werden wir in den nächsten Jahren endlich weibliche Nippel zeigen dürfen?). Solange wir laut bleiben, werden wir gehört.

Gibt es heutzutage ein Land oder eine Kultur in der die weibliche Selbstbestimmung kein Diskussionsthema mehr ist?

Roxanne: Auch da hat die westliche Welt ein großes Privileg, auch wenn wir noch lange von Gleichberechtigung entfernt sind. Tendenziell würde ich sagen, dass Skandinavien um vieles liberaler eingestellt ist, als der Rest. Ich glaube die ideale Form der weiblichen Selbstbestimmung gab es nur in Urvölkern und Kulturen. Ich hoffe, dass wir irgendwann dazugehören.

Das hoffe ich auch 🙂

Vielen Dank für deine Zeit!

 

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