#Polerina

by Rena Süßholz

Level 4: Wie lange denn noch? Frust, Angst und eine Erkenntnis.
© Andre Hunter / Unsplash

Level 4: Wie lange denn noch? Frust, Angst und eine Erkenntnis.

Leistungsvergleiche begegnen uns schon sehr früh im Leben. Anna hat eine eins mit Sternchen geschrieben, Pascal kann schon Handstand, der Pole-Buddy beherrscht Tricks, von denen man selbst nicht mal zu träumen wagt.

Frust beim Poledance. Es fällt schwer solche Vergleiche im Training abzulegen. Das viel gepredigte Mantra des Trainers „Jeder lernt in seinem Tempo, es gibt kein gut oder schlecht.“ Hilft einem da auch nicht weiter. Es bleibt schlicht frustrierend, wenn alle paar Monate die Polerinas deines Levels upgegradet werden und man außen vor bleibt.

Dabei will ich gar nicht wirklich ins höhere Level.

Also mein Kopf schon, dass wäre toll fürs Ego. Ein Lob für all den Schweiß und die Mühen. Und schließlich auch eine nette Abwechslung, da sich die Figuren der jetzigen Stufe irgendwann nur noch wiederholen, aber da kommen wir schon zum maßgeblichen Punkt. Mein Körper schiebt die totale Panik, wenn er auch nur an die Combos der höheren Klasse denkt.

Anscheinend sogar zu Recht. Neulich erzählte mir eine Kursteilnehmerin (bereits seit zwei Monaten für Level 5 freigeschaltet, trainiert mehrmals die Woche und hat sehr viel später als ich mit Poledance angefangen), dass sie lieber ins Level 4 gehe, da die Figuren in fünf „mega krass“ seien und sie sich „anfängerlike“ vieles einfach nicht traue.

Zonk. So fühle ich mich seit über anderthalb Jahren in Stufe 4. Heißt das jetzt, dass ich für das akrobatische Poledance zu untalentiert bin? Ich falsch trainiere?

Zeit für eine Analyse.

Bei vielen Figuren ist der Knoten, trotz Wiederholungen, noch nicht geplatzt. Und das hat verschiedene Gründe:

  • ich habe Angst an entsprechender Stelle loszulassen,
  • ich bin zu schwach,
  • ich bin nicht flexy genug,
  • ich sehe es nicht ein, mich an diesen „unnatürlichen“ Schmerz zu gewöhnen.
Angst beim Poledancing
© James Healy / Unsplash

Die Angst mich zu verletzen, beeinflusst meine Herangehensweise an die Tricks enorm. Ein Problem, welches ich nicht erst seit gestern kenne und dessen Lösung sich mir immer noch nicht erschließt. An dieser Stelle möchte ich aber ein paar theoretische Ansätze mit euch teilen, damit mich mein Tief nicht verschluckt und ich in kleinen Schritten den Berg namens Angst erklimmen kann.

Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen auch?

Okay, gehen wir einen Schritt zurück. Ich habe also Angst mich zu verletzen. Wenn man sich verletzt, wie passiert das beim Poledance in der Regel? Durch fallen, rutschen, daneben greifen, Überlastung einzelner Muskeln, „Verknotung“ von Gliedmaßen. Wie kann man dem vorbeugen?

Antwort: mit Kraft.

Man kann sich zu jeder Zeit sicher sein, das Körpergewicht mühelos zu stemmen oder sich heil nach unten gleiten zu lassen. Beim Marley (=Figur, bei der der einzige Stangenkontakt die Kniekehle(n) ist) würde man sich trauen loszulassen, da man an die eigene Bein-Power glaubt und bei der Ayesha (Invertfigur mit Elbow-Grip) kann man ganz auf seine Armkraft vertrauen.

Optimist beim Poledance
© Nathan Dumlao / Unsplash

Es ist also sinnvoll, neben dem Poledance Training auch gezieltes Krafttraining zu absolvieren, statt die Kraft nur aus dem fünfzehnminütigen Pole-Conditioning zu ziehen. Denn das kann erfahrungsgemäß echt lange dauern.

Thema Flexibilität. Tja, was soll ich sagen. Ich könnte öfter mal zum Stretching gehen …

Und dann ist da noch diese Sache mit dem „unnatürlichen Schmerz“.

Kniekehlen, Ellenbeugen, Oberschenkelinnenseiten, dass sind alles sehr empfindsame Regionen, die man für die wirklich schönen Tricks an das kalte, harte, unnachgiebige, fiese Metall pressen muss. Je öfter man sie „foltert“, desto schneller wird man robuster. Bestes Beispiel: der Fußrücken beim Klettern. Da spüre ich seit Jahren nichts mehr. Die Lösung bedeutet hier also: Geduld.

Soweit von mir.

Frust beim Poledance: Wie sieht das bei euch aus? Woran liegt es, dass ihr keine Fortschritte macht?

 

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