#Polerina

by Rena Süßholz

Blockaden, Angst und andere Hirngespinste
© Scott Webb/ Unsplash

Blockaden, Angst und andere Hirngespinste

„Unsere heutige Combo fängt mit einem Outside-Leghang an, dann gehen wir über in einen Inverted Tigh Hold ehe wir in den Inside-Leghang wechseln. Danach …“ Meine Mundwinkel gefrieren, mein Puls beschleunigt sich, ich schwitze. Wenn ich dann noch sehe, wie die Trainerin eine waghalsige Figur wie den Inverted Teddy Bear dranhängt und dabei munter weiter erklärt, rutscht meine Laune in den Keller.

Ich bin ganz klar Tänzer, kein Akrobat.

Will man seine Choreos oder Freestylings mit ein paar WOW-Posen aufmotzen, komme ich aber nicht drum herum, das ein oder andere Kunststück in der Luft miteinzuflechten. Wenn ich nur nicht immer so lange brauchen würde, bis alles klappt. Ich mich doch nur direkt sicher fühlen würde und allzeit wüsste, das mir nichts passieren kann.

Bei mir ist es so, dass ich für viele Kopfüber-Figuren mindestens zehn Mal einen Spotter brauche. Einfach, damit sich mein Körper an den Ablauf gewöhnen kann, ich weiß, wie sich die und jene Stellung korrekt anfühlt und ich langsam – ohne Hektik & Panik – in die Pose komme.

Stichwort: Erfolgserlebnis.

Da ich keine Solo-Stunden buche, trainieren um mich herum noch fast zwanzig andere Poledancer. Bis da die Trainerin den Weg zu mir gefunden hat, ist die halbe Übungszeit schon vorbei und die Hilfestellung reicht nur für eine Ausführung. Natürlich nur auf einer Seite. Tendenziell die bessere Seite, denn man will sich ja auch nicht die Blöße geben, überhaupt nichts zu können.

Wenn sie wieder weg ist, probiere ich halbherzig erneut den Move mit meiner „sicheren“ Seite. An den Stellen wo es drauf ankommt loszulassen, die Hüfte rauszustrecken etc. passe ich. Mein Kopf sagt: „zu großes Risiko“ und blockiert. Höre ich dann das Signal für den nächsten Trick lasse ich mich erleichtert zu Boden sinken …

Bis das Spiel von neuem beginnt.

Denn meist baut die Combo aufeinander auf. Kannst du den Anfangstrick nicht, kommst du nicht weit. Zum Thema Hirngespinste. Ich kann gar nicht mal genau sagen, warum ich mich konkret im Invert fürchte.

Vielleicht liegt es daran, dass sich praktisch jede Figur unnatürlich und ungesund anfühlt?

Mir mein Leben wichtig ist und die Aussicht auf einen intensiven Kopf-Boden-Kontakt mir ganz und gar nicht behagt? Mir die Kraft nur für die Hälfte des Moves reicht? Ich so oder so kein Fan von Schmerzen bin? Irgendwelche anderen Theorien? Nur her damit! Am besten gleich auch mit passender Lösung. Denn an der mangelts mir noch. Aktuell setze ich ganz auf die Zeit. Irgendwann macht es Klick und es geht ganz leicht. Doch bis dahin vergehen zig-Trainingsstunden, vielleicht sogar Jahre geprägt von Frust, Angst und unbefriedigenden Erlebnissen.

Und am Ende steht die Frage: Ist das überhaupt das richtige für mich?

Floorwork ist schließlich auch ganz nett …

 

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